Gemeindebrief

Der Gemeindebrief für Nieder- und Oberschöneweide in einer gemeinsamen Ausgabe. ( Zum Betrachten des Briefes benötigen Sie möglicherweise einen pdf-reader ) .

2020
Der aktuelle Gemeindebrief für Juni, Juli und August
April und Mai
Februar und März

2019
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Juni und Juli
April und Mai
Februar und März


Monatsspruch Juli: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
(1. Könige 19,7)

Liebe Leserinnen und Leser,
unser Andachtsspruch ist Teil einer großen Prophetengeschichte. Alles hatte Elia versucht, um seinem Auftrag gerecht zu werden. Sein Credo war das 1. Gebot, dafür kämpfte er: Ich bin der Herr dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir. Unter König Ahab und Königin Isebel hatte dieses Gebot in Israel immer weniger Bestand und Bedeutung. Fremde Götter wurden verehrt. Baal war es, den sie nun anbeteten, einen Fruchtbarkeitsgott, der machte dem Gott Israels Konkurrenz, dem Gott, der sein Volk durch die Wüste geführt und es bewahrt hatte auf allen Wegen. Auf dem Berg Karmel nun kommt es zur großen Machtdemonstration. Unerbittlich hatte Elia die Baalspropheten in ihrer Unwirksamkeit bloßgestellt, verhöhnt und in den Tod geschickt und damit auch ihre Königin aufs Tiefste gekränkt.
Dieser Eifer, mit dem Elia für seinen Gott gestritten hat, droht ihm nun selbst zum Verhängnis zu werden. Isebel kündigt ihm für den folgenden Tag seinen gewaltsamen
Tod an.
Elia flieht hinab in die Wüste, um dort, völlig niedergeschlagen, Gott selbst um seinen Tod zu bitten. Lebensmüde ist er, legt sich unter den Wacholder, besser den Ginsterstrauch, sorgt sich nicht darum, daß die Wüstensonne ihn im Schlaf verbrennen könnte. Doch hier nun in aller Hoffnungslosigkeit, hier nun bahnt sich eine Wende für sein Leben an.
Sein Gebet ist zunächst Ausdruck tiefer Verzweiflung aber auch der Selbsterkenntnis. Nicht besser als die Väter zu sein – als hätte er all das, was er sich vorgenommen hatte, nicht geschafft. Er hat versagt. Hat nicht genügt. Elia hat abgeschlossen mit seinem Leben.
In dieser Einöde aber erreicht den Schlafenden ein Bote aus der anderen Welt.
Keiner mit dem man hätte rechnen, keiner auf den man hätte hoffen können. Plötzlich aber ist er da. Steh auf und iss! Sagt der Engel. Zweimal ergeht dieser Ruf an ihn: Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir.
Und Elia wandert 40 Tage und 40 Nächte bis zum Gottesberg auf dem Sinai und findet in einer Höhle Unterschlupf für die Nacht. Und ein Sturm fegte über den Berg und ein Erdbeben rüttelte an ihm und danach kam ein großes Feuer. Hier in diesem Versteck versteht er seinen Gott noch einmal neu und anders. Denn nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Sausen und eine leiser Stimme fragt ihn: Was machst du hier, Elia? Es ist die Frage der er nicht ausweichen kann, die ihn so weit geführt hat. Vor der er weggelaufen ist: Was machst du hier, Elia? Das kann auch hießen: Ich brauche dich anderswo, du bist hier fehl am Platze, du hast hier nichts zu suchen, das hier ist nicht dein Platz! Und Elia ist sich ganz sicher: Im stillen, sanften Sausen ist Gott selbst an seiner Seite gewesen. Seine Stimme hat er gehört und seinen Ruf.
Was diese Weggeschichte uns heute sagen will? Vielleicht das eine: Dass auch an den langen Wegen Stärkungen warten, manchmal überraschend und völlig unerwartet wie unter dem Ginster. Und das andere: Gott blieb dabei, er kommt nicht gewaltsam, er kommt nicht im Wind, nicht im Beben und nicht im Feuer: nein, er kommt im stillen sanften Sausen, so zeigt er sich seinen Menschen. So will er uns bewegen und zum Guten führen, vielleicht sogar unmerklich, aber doch immer wieder, ruft er uns und beauftragt er uns, seine Wege zu gehen.

Herzliche Grüße von Annette Schwer